Eine oder Zwei? - sonnenberg-cats

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Eine oder Zwei?

Infothek
 

oft kaufen bei mir eine Katze oder ein Kater.  Zu Zweii kaufen ist zu teuer.  Aber nach einigen Zeit, das Geld gespart und kommen noch die zweite zu holen.  Dann kommt die Frage, ob die Zweite wird von Erste angenommen?
Sabine srieb: Liebe Olga,

die kleine Hopey hat sich mittlerweile sehr gut eingelebt und war auch schon zum toben im Garten.

Sie und Rocky kleben sozusagen aneinander - hätte ja nicht zu hoffen gewagt, dass die beiden sich so sehr mögen würden ;-))

Anbei ein paar Bildchen!

Ganz liebe Gruesse

Liiebe Sabine, herzlichen Dank, dass meine Beider Katzen bei dir leben darf. herzlichen Dank fuer die wunderschoener Bilder
Deine Olga

Wenn die Einzelkatze reden koennte
von Rita Marlen Feisel

Ihnen ist sicher die Aussage, „eine Katze kann man gut
alleine lassen, einen Hund nicht“, bekannt. Abgesehen
davon, dass sich der Hund als Rudeltier sehr an seine Familie
bindet und zudem allein aus Gründen der Versäuberung
nur wenige Stunden des Alleinseins vertragt, ist
auch die Katze, die ebenfalls die Zuwendung des Menschen
braucht, in stundenlanger haeslicher Vereinsamung
ein ausserst bedauernswertes Geschoepf.

Der Generationenirrtum

Als ich mich mit dem Thema fuer diesen Artikel beschaeftigte, kam mir spontan meine Tieraerztin in den Sinn, die vor langer Zeit einmal zu mir sagte: „Lieber eine Katze, die im Freilauf nur ein Jahr ueberlebt, als eine, die fuenfzehn Jahre hinter Schloss und Riegel dahinvegetiert.“ Ich konnte damals dieser radikalen Einstellung nichts abgewinnen. Im Laufe der Jahre habe ich aber nur allzu gut begriffen, was sie damals meinte (nicht zuletzt auf Grund meiner eigenen Erfahrung): Es ging ihr um die Wohnungskatze in Einzelhaltung, die ihr Leben mehrheitlich in Einsamkeit verbringt.
Ich weiß nicht, woher die Meinung kommt – wahrscheinlich wurde sie von Generation zu Generation kritiklos weitergereicht: Viele Menschen glauben naemlich, dass die Katze sich selbst genuege, weil sie gerne faelschlicherweise als Einzelgaengerin dargestellt wird. Als Einzelgaengerin ist die Katze aber nur auf der Jagd anzutreffen. Wenn sie mit anderen Katzen aufgewachsen ist, was ja in vielen Faellen so ist, verhaelt sie sich ansonsten sehr gruppenfreundlich. In meiner langjaehrigen Erfahrung mit Katzen habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass Katzen im Allgemeinen Gesellschaft ueber alles schaetzen. Natuerlich, es finden sich auch immer wieder Einzelgaenger darunter, denen die Artgenossen nicht allzu viel bedeuten oder die in einer Gruppe nicht Fuß fassen koennen. Allen gemeinsam aber ist die enge Bindung an den Menschen – sofern sie in ihrer Praegungszeit Zugang zum Menschen finden konnten. Denn nicht nur Hunde kennen eine Praegungsphase, auch Katzen haben ein Zeitfenster, in dem die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Die sogenannte sensible Phase, nicht nur für den Umgang mit Artgenossen, sondern auch fuer die Gewoehnung an den Menschen gueltig, dauert etwa bis zum zweiten Lebensmonat. Dann ist der Grundstein fuers Leben gelegt.

Die Suenden vergangener Zeiten

Wenn ich hier ueber das gar nicht so unbrisante Thema der Einzelhaltung schreibe, so tue ich dies keinesfalls, ohne nicht auf ernuechternde Selbsterfahrung zurueckblicken zu muessen – leider. Vor mehr als 30 Jahren besaß auch ich eine Einzelkatze, war beruflich sehr engagiert, und die wenigen freien Abend und Wochenendstunden musste meine arme Tigerdame, die in einem Nuerensdorfer Pferdestall das Licht der Welt erblickt hatte, mit Abendsitzungen, Einkaufsaktivitaeten, Fitnessstudio, Tête-à-Tête-Nachtessen, Theaterbesuchen, Skiweekends und sonstigen auswaertigen Hobbys teilen. Da blieb nicht mehr viel Zeit fuer kuschelige Schmusytime. Natuerlich freute ich mich, wenn sie mich abends hocherhobenen Schwanzes und gurrend, den Tauben gleich, empfing. Natuerlich gab es feine Haeppchen als Trostpflaesterchen fuer einsame getigerte Miezestunden. Natuerlich liebte ich die knuddeligen Einschlafminuten mit ihr und das Aufwach-Szenario, wenn sie mir Bauch aufwaerts unermuedlich staempfelnd und unueberhoerbar schnurrend kundtat, dass die dunkle Nacht ein Ende hatte. Diese Stunden waren zweifelsfrei ein Hochgenuss für beide. Wie schlimm mag dagegen jener Moment für die pelzige Weggefaehrtin gewesen sein, wenn die Tuer fuer viele Stunden unwiderruflich ins Schloss fiel. Dazumal war das Einzaeunen eines Balkons oder das Vergittern der Fenster noch nicht so ueblich wie heute, wo es fast schon als selbstverstaendlich gilt. So blieben aus lauter Angst, dass meiner kleinen Herzensfreundin waehrend meiner Abwesenheit etwas passieren koennte, Tuer und Fenster fuer sie geschlossen. Schließlich wollte ich sie, nach deren Gesellschaft ich mich monatelang gesehnt hatte, nicht durch ein Unglueck verlieren. Zurueck blieben 50 m2 Wohlstandsstereotypie – Rolf Benz 2-Sitzer auf Hirtenteppich, zwei Fellmaeuse artig darauf drapiert. Die liebevoll selbst getoepferten Keramikschalen mit Katzenoehrchen, randvoll gefüllt, blieben meistens bis zu meiner abendlichen Rueckkehr unangetastet. Die Maeuse auch. Dem Katzengras im blauen Uebertopf mit lustigem Aufdruck „happy cat“ ward kein Halm geknickt. Einzig der Platz vor dem Wassernapf zeigte Schlabberspuren. Kummer laesst die Freude am Essen und Spielen bekanntlich vergehen. Der Gedanke an dieses Szenario macht mir noch heute, viele Jahrzehnte danach, Bauchweh sondergleichen. Parallelen in meinem Umfeld lassen dieses damalige Horrorszenario immer wieder aufs Neue aufleben.

Die Quittung

Kuschel, die kuschelige Vereinsamte, hinterließ mir eines schoenen Tages einen langen Brief in Form einer  riesengroßen Pfuetze. Sie schrieb: „Du laesst mich nun schon seit Monaten zwischen zehn und vierzehn Stunden allein. Ich habe keinen Auslauf, keine frische Luft, kann keinen Schmetterling fangen und kann nicht in Erde buddeln. Ich habe tagsueber noch nicht einmal einen Balkon, von dem aus ich wenigstens die Nachbarschaft gruessen kann. Keinen Artgenossen kriege ich jemals mehr zu Gesicht. Geschweige denn habe ich einen eigenen weichen Katzenkumpel, an den ich mich reiben kann. Tagaus, tagein das gleiche gaehnende Allerlei und dieselbe Leier. Wenn du nach Hause kommst, bist du muede. Trotzdem, du raeumst auf, putzt, gießt die Pflanzen, kochst, richtest deine Kleider für den naechsten Tag. Du schaust Fernsehen, liest die Zeitung, trinkst ein Glas Wein, telefonierst mit Gott und der Welt und faellst dann wie eine gefaellte Tanne ins Bett. Natuerlich, du fuetterst mich, reinigst meine Hinterlassenschaft, saeuberst meinen Kratzbaum, der fuer mich alleine sowieso viel zu groß ist, nimmst mich auf den Arm, wirfst mir mal die Fellmaus zu, in der Meinung, ich raste dann gleich vor Freude aus, streichelst mich und sagst mir, dass ich dein Ein und Alles bin. Behandelt man so sein Ein und Alles? Ich bin einsam.“ So schrieb die Katze. Der Mensch besah sich die haessliche Pfuetze und las: „Du bist eine Bauernkatze. Diese Sorte bleibt immer ein bisschen unsauber, ihr Leben lang. Zudem bist du undankbar. Du hast den Himmel auf Erden: eine schoene Wohnung, einen Mammutkratzbaum, Spielzeug zum Umfallen, ein 5*****-Essen und ein Frauchen, das nur dein Bestes will. Als geborene Einzelgaengerin doest du sowieso den ganzen Tag vor dich hin, deshalb merkst du gar nicht, ob ich zu Hause bin oder nicht. Und wenn ich mal eine Nacht wegbleibe – das geht auch wieder vorbei. Trotzdem pinkelst du mir in die Wohnung. Du bist wohl ein Fall für den Katzenpsychiater.“ Diese „Korrespondenz“ ging über Jahre hin und her. Die Fellfreundin wollte etwas eindruecklich sagen, das ihre zweibeinige Mitbewohnerin nicht verstand. In ihrer Hilflosigkeit erhöhte die Katze ihre Pinkelattacken von Woche zu Woche. Die Nerven der Katzenfreundin lagen blank. Die stereotype Wohlstandseinrichtung war inzwischen ramponiert. Ich hielt Kuschel trotz allem die Treue und sie mir notgedrungen ebenfalls. Haette sie Freilauf gehabt, sie haette mir wohl den Rücken für immer und ewig gekehrt, wer weiß. Nach drei Jahren „Rosenkrieg“ wechselte ich mit Kuschel freudig erregt mein Domizil: 5 1/2 Zimmer, drei Balkone, alle eingezaeunt, mit Kletter- und Kratzgelegenheit, die Fenster katzensicher vergittert. Katzenherz, was begehrst du mehr? Meine beruflichen Aktivitaeten nahmen nochmals an Zeitintensitaet zu, und mein Privatleben erfuhr eine Wende, sodass ich auch hier mehr denn je engagiert war. Hinzu kamen tage- und wochenendweise Abwesenheiten. Zweimal taeglich eine Fuetterung und einige Streicheleinheiten von fremder Hand waren waehrend dieser Absenzen meine „großzuegige Geste“ an meine pelzige Herzensdame, denn es sollte ihr ja an nichts fehlen. Sie ihrerseits schrieb mir am neuen Domizil nicht nur Briefe, sondern halbe Romane, die sie in der ganzen Wohnung – unter ihren persoenlichen kaetzischen Gesichtspunkten sorgfältig ausgewaehlt – „deponierte“. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Die Wende

Mir daemmerte es erst, wo das Problem lag, als ich den Schritt in die Selbststaendigkeit wagte und meine beruflichen Aktivitaeten ins Haus verlegte. Kuschel schrieb fortan keinen einzigen Brief mehr an mich – noch nicht mal eine schnoede Postkarte. Stattdessen lernte sie den PC beherrschen, loeschte Text, den sie für nicht gut befand, wärmte meine Knie auch bei 30 Grad im Schatten, machte zirkusreife Purzelbaeume unterm Schreibtisch, spickte mir die Fellmaus in den Kaffee, frisierte mein Haupthaar, funktionierte mich zu ihrem Kratzbaum um, redete ununterbrochen auf mich ein, als wolle sie fünf verpasste Jahre nachholen, und probierte von Rhabarberkuchen bis zu Gruenkohl mit Pinkel (für Nichtkundige: eine spezielle Wurst aus Norddeutschland) die ganze kulinarische Palette von meinem Teller. Kuschel trug fortan ein breites, sattes Laecheln auf dem Gesicht. „Endlich Mensch – du hast verstanden!“

Nur ein Fall von Tausenden

Was ich Ihnen hier so locker erzaehlt habe, ist ein todernstes Kapitel: Die Haltung einer einzelnen Katze bei voller Berufstaetigkeit kommt einer Einzelhaft gleich. Das sehe ich nach meinen Jugendsuenden ganz klar; fuer mich kaeme niemals mehr die Haltung einer einzigen Katze infrage. Und selbst dann nicht, wenn ich in die wohlverdiente Pension ginge. Die Mehrkatzenhaltung ist einfach im Hinblick auf das Tier artgerechter (und übrigens auch für dessen Besitzer/in eine viel spannendere Angelegenheit). Mir fehlen zwar statistische Zahlen, doch ist davon auszugehen, dass unzaehlige Einzelkatzen in Haushalten leben und den ganzen Tag nicht betreut werden. Das fuehrt zwangslaeufig zu Vereinsamung, Stumpfsinn, absonderlichem Verhalten, Ersatzhandlungen, mitunter seelisch ausgeloesten Krankheiten oder vielfach auch zu Unsauberkeit, wie Sie aus meinem Bericht erfahren konnten. Das Wildtier Katze hat eine gewaltige Leistung vollbracht, um vom unabhaengigen Jaeger zum abhaengigen Stubenfreund zu mutieren, der in vielen Fällen in die Rolle als Kinder- oder Partnerersatz rutscht und so im weitesten Sinne zur Lebenshilfe wird. Allein schon aus diesem Grund hat die Katze es verdient, dass der Mensch auch ihren tierischen Bedürfnissen gerecht wird. Denn trotz ihrer Domestikation ist sie tief in ihrem Innern ein Wildtier geblieben, was man ja unschwer an Katzen mit Freilauf feststellen kann, wenn es ums Jagdverhalten geht. Wie will sie ihre vielfaeltige Koerpersprache einsetzen, wenn sie fuer den Rest ihres Lebens keinen Artgenossen hat? Zugegeben, sie tut es in gewissem Masse im Zusammenleben mit dem Menschen. Doch wie will sie mit ihm „reden“, wenn er nie zu Hause ist? Wie will der Mensch im Gegenzug die Psyche der Katze sowie ihre reichhaltige Gebaerdensprache und Lautaeusserungen interpretieren lernen, wenn er sie nur zwischen „Tag und Traum“ zu Hause antrifft, wo allabendlich unzaehlige Aktivitaeten seine schmale Freizeit in Anspruch nehmen? Wie will die Katze ihr Defizit an Erkundungsdrang wettmachen, wenn sie ihr Leben lang ein begrenztes haeusliches Umfeld vorfindet, in dem sich über Jahre nichts veraendert? Viele Katzenbesitzer/innen kaufen nun vor allem ihren Einzeltieren in bester Absicht jede Menge Spielzeug, das achtlos in der Ecke liegt. Was sich nicht bewegt, erweckt kaum Interesse. Allabendliches aktives Spielen – und das, so lange die Katze es möchte – ist angesagt, um die Jagdmotivation lebendig und Körper und Geist beweglich zu halten. Die Katze als  dämmerungsaktiver Jäger nimmt eine solche Animation mit großer Freude an und wird Ihnen das mit geistiger und körperlicher Vitalität danken. So hätte sie zumindest einHighlight in ihrem tristen Leben. Doch viele Berufstaetige setzen ihre Prioritaeten anders, und die Katze kommt selbst in den wenigen gemeinsamen Stunden einfach zu kurz. Sie degradiert zum fünften Rad am Wagen und wird ein Teil des Inventars.
Ganz fatal ist es, wenn ihr dann auch noch der Sprung ins warme Bett verwehrt wird, wo die vereinsamte Katzenseele für einige Stunden Waerme und Geborgenheit beim Ersatzartgenossen auftanken koennte. Selbstverstaendlich ist es eine Frage der persoenlichen Einstellung, ob die Katze mit ins Bett darf oder nicht.
Ein Anspruch darauf ist nicht tierschuetzerisch verankert. Ich meine nur, dass die Einzelkatze – so sie denn unbedingt bei voller Berufstaetigkeit sein muss – ein enormes Manko an Zuwendung hat. Der Zutritt zum Schlafgemach braechte hier ein Stueck Wiedergutmachung. Es mag viele berufstaetige Katzenfreunde geben, die sich vorbildlich mit ihrem Tier in ihrer schmalen Freizeit beschaeftigen und es in ihren Lebensalltag optimal einbinden.
Ich spreche jedoch jene an, die dies aus Gedankenlosigkeit oder Unwissenheit heraus unterlassen. Denn eine unterbeschaeftigte und unausgelastete Katze wird sich irgendwann in eine Ecke verkruemeln und resignieren. Resignation laesst am Sinn des Lebens zweifeln. Das wissen wir Menschen doch nur allzu gut.


Wenn Mieze vor der Tür steht

Nach einem solchen traurigen Hausszenario ist man versucht, den Freigaenger um seine Position zu beneiden. Zugegeben, eine Katze mit freiem Auslauf bleibt vom eintoenigen Wohnungseinerlei verschont. Sie trifft auf Artgenossen, kann die Umgebung erkunden, ihrem Jagdtrieb nachkommen, hat genuegend Bewegung und physische wie psychische Reize. So weit, so gut. Doch kann man leider immer wieder beobachten, dass die Katze morgens mit ihrem Menschen das Haus verlaesst und nicht mehr frei waehlen kann, ob sie ins Haus zurueck will oder nicht. Ich hatte einen solchen Fall in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, den ich Ihnen gerne kurz schildern moechte: Das Paar ging morgens zu früher Stunde aus dem Haus und entließ die Katze in die Freiheit. In die Wohnung zurueck konnte sie erst, wenn ihre Menschen nach Hause kamen. Der Tagesrhythmus des jungen Paares war sehr unterschiedlich. So kam es, dass die Katze vom fruehstmoeglichen Zeitpunkt an abends artig vor der Haustuer wartete, denn Katzen und Hunde haben eine innere Uhr. Manchmal wartete sie eine Stunde,  manchmal zwei, manchmal auch vier und mehr. Die temporaer Ausgesetzte zeigte ab diesem Zeitpunkt keinerlei Interesse mehr an ihrer freiheitlichen Umwelt. Sie kreiste sozusagen in der Warteschlaufe. Der Freilauf wurde für sie von Stunde zu Stunde mehr zur Qual, denn sie hatte nur noch eines im Sinn: „Wann kommen meine Menschen zurück?“ Dies zeigt sehr deutlich, dass auch Tiere mit dem viel gepriesenen Freilauf je nach Veranlagung eine enge Beziehung zum Menschen eingehen können, die ihr offensichtlich mehr als die Freiheit bedeutet. Alle meine Bemuehungen, die Katze in den späten Abendstunden zumindest mit einem Häppchen zu versorgen oder sie bei unguenstigen Wetterverhältnissen an einem geeigneten Ort warm zu „parkieren“, schlugen fehl. Sie wollte ihre Menschen sehen oder auch einfach nur zurück in ihr Heim und nichts anderes, basta. Fatal wurde diese Situation an Wochenenden, wo die Katze oft bis zu 48 Stunden ohne häusliche Rueckzugsmoeglichkeit bzw. Betreuung blieb. Diskussionen ueber diese Situation fruchteten nichts.
Man konnte meine Meinung über diese nicht artgerechte Haltung leider nicht teilen. Für eine tierquälerische Haltung fehlten direkte Beweise. Solche Situationen zeigen, dass für manche Menschen der Freilauf einer Katze ein Freibrief ist, sich nicht um sie kümmern zu muessen, da man die Auffassung vertritt, die Freiheit regle die Beduerfnisse des Tieres schon. Dies ist jedoch bei an den Menschen gewoehnten Katzen ein fataler Irrtum, wie wir aus diesem Beispiel ersehen können. Tierbesitzer/ innen sind sich oft gar nicht bewusst, welche starken Gefühle und Abhaengigkeiten sie bei einem Tier auslösen, wenn sie einen Vierbeiner ins Haus nehmen. Ich möchte ausdruecklich betonen, dass dies nicht nur für Katzen gilt.

Das Glück nach Maß

Als Zuechterin bin ich sehr oft Menschen begegnet, die mit dem Wunsch nach einer Einzelkatze an mich herantraten. Bei Jungtieren bin ich darauf auch bei Nichtberufstaetigen niemals eingegangen. Anders verhielt es sich bei erwachsenen Tieren, die mir im Laufe der Jahre signalisierten, dass sie beim besten Willen und allen Anstrengungen meinerseits in einer Gruppe nicht Fuß fassen konnten. Sofern es sich um Menschen fortgeschrittenen Alters mit genuegend Freizeit handelte, habe ich hier eine Ausnahme gemacht und eine solche Katze auch mal alleine platziert. Interessant ist jedoch, dass genau diese Besitzer/innen, die genuegend Zeit für ihr Tier hatten, nach einer Weile die Richtigkeit der Einzelhaltung ernsthaft hinterfragten. Oft standen dann aber der Platzierung einer weiteren Katze Vertraeglichkeitsgruende im Wege, und man musste den Gedanken leider Gottes fallen lassen. Zudem werden Einzeltiere, die von ihren Besitzern sehr viel Zuwendung erhalten, mit der Zeit egoistisch und wollen ungern teilen. Ich moechte zum Schluss doch noch ein Wort zur Zweikatzenhaltung verlieren: Die Tendenz, zwei Katzen zu halten, ist sehr verbreitet. Eben aus jenem Grund, weil viele Menschen inzwischen aufgeklaerter sind und realisiert haben, dass die Einzelkatze eine „arme Socke“ ist. Mir ist jedoch die Zweikatzenhaltung ohne Freilauf auch nicht ganz geheuer. Ich moechte Ihnen auch sagen, weshalb: Nach meiner Erfahrung waehlen zukuenftige Besitzer/innen die Katzen gerne nach ihrem Aussehen, ungeachtet dessen, ob sie auch charakterlich gut zueinander passen. Es macht aber einen gewaltigen Unterschied ob Tiere einander innig zugetan sind oder sich einfach nur tolerieren. Die Haustierhaltung zwingt also nicht selten Katzen ein Zusammenleben auf, das sie freiwillig niemals in dieser Form waehlen wuerden. Ein zweiter Aspekt: Tiere machen gleich dem Menschen eine persoenliche Entwicklung durch. Hat man nur zwei Katzen, so zeigen sie vielleicht im Laufe ihres Lebens sehr unterschiedliche Beduerfnisse. Das, was anfangs sehr gut zusammenpasste, will auf einmal nicht mehr funktionieren. Hat man mehr als zwei Katzen, wird der Verlust eines Artgenossen von den Tieren besser verkraftet, da sie nicht ploetzlich alleine zurückbleiben. Man geraet dann auch als Besitzer/in nicht sofort in Zugzwang, ein neues Tier anzuschaffen. Aus diesen Gruenden neige ich mehr denn je zur Dreikatzenhaltung, wo immer es von den Platzverhaeltnissen und natuerlich auch von der finanziellen Lage her geht.
 
Geben Sie Ihrer Katze Anreize

Ob nun eine, zwei oder mehr Katzen, ich kann Ihnen versichern, dass es unwesentlich ist, ob Sie ueber eine
3-Zimmerwohnung oder ein ganzes Haus verfuegen. Wichtig ist, welche Rueckzugs- und  Beschaeftigungs-moeglichkeiten Sie Ihren Tieren bieten, und wie artgerecht Sie Ihre Wohnung fuer die Katze(n)einrichten. Bitte bedenken Sie, dass eine Katze, die durch die Wohnungshaltung ihrer natuerlichen Freiheit beraubt wird, ein Umfeld braucht, das ihren Beduerfnissen gerecht wird und immer wieder neue Anreize bietet. Machen Sie auch nicht den fatalen Fehler zu glauben, wenn die Katze vor sich hindoese, sei sie nicht für ein Spielchen zu haben. Bringen Sie also ruhig immer wieder Veränderungen und Action ins Haus. Nehmen Sie zum Beispiel eine Kartonschachtel (auch wenn sie nicht zur Einrichtung passt!), machen Sie eine kleine Oeffnung, sodass die Katze bequem rein- und rausgehen kann. Legen Sie je nach Jahreszeit etwas Stroh, Laub oder trockenen Grasschnitt hinein. Sie wird diese Grube heiß lieben, denn sie weckt Urgefuehle an Mutter Natur. Nutzen Sie Kartonschachteln auch als Spiel- und Erkundungsmoeglichkeiten. Werfen Sie achtlos eine Papiereinkaufstasche ohne Henkel (darin kann sich die Katze verfangen und – in Panik geratend – nicht mehr herausfinden), ein paar Bogen zerknuelltes Seidenpapier oder Zellophanfolie hin. Lassen Sie ein paar Tischtennisbaelle durch die Wohnung huepfen – auf Steinboden oder in der Badewanne der wahre Hit! Schneiden Sie ein Stueck strapazierfaehigen Stoff, meinetwegen in Herzform, doppelt zu, lassen Sie beim Zunaehen ein kleines Stueck für die Fuellung offen. Nehmen Sie ein großes Stueck Watte, das den Stoff prall ausfuellt, geben Sie einige Fingerspitzen Baldrianwurzel hinein (in der Apotheke erhaeltlich). Geben Sie Watte mitsamt Baldrianfuellung in den Stoffbeutel, zunaehen, und ab die Post. Ihre Katze wird durch die Raeume tanzen, da wird Shakira vor Neid erblassen. Verstecken Sie ihre Lieblingstabs immer wieder an anderen Stellen, oder werfen Sie sie im hohen Bogen durch die Wohnung, damit sie den Schmaus erhaschen muss. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es reicht nicht, einen Kratzbaum aufzustellen, an dem leblose Maeuslein baumeln. Die Lust an solchen Animationen erschoepft sich schnell. Sie muessen sich einbringen ins Spiel. Das macht Ihrem Tiger Freude. Übrigens, wie relativ die Anzahl Katzen sein kann, erfuhr ich kuerzlich wieder einmal durch meine Freundin aus Schweden, die mich für eine Woche besuchte. Als ehemalige Züchterin besaß sie, als sie mit dem Zuechten aufhoerte, siebzehn Katzen, allesamt im Alter zwischen 21 und 8 Jahren. Innert drei Jahren hat sie nun dreizehn Tiere verloren – ein absolutes Horrorszenario. Bei ihrem Besuch sagte sie mir  traurig: „Es kommt mir so vor, als haette ich keine Katzen mehr. Meine Wohnung ist trotz der vier Katzen eine einzige gaehnende Leere.“ Und ich versuche hier, Sie mit viel Ueberzeugungskraft zur Anschaffung einer zweiten Katze zu ueberreden … Geben Sie also Ihrem Herzen einen Ruck und Ihrer Katze einen Artgenossen.


 
 
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